Mausoleum Stadthagen

Renaissance pur in Stadthagen

Stadthagen besitzt neben dem beeindruckenden Ensemble von Bauten der Renaissance mit dem Mausoleum des Fürsten Ernst ein Kunstwerk von internationaler Bedeutung. Graf Ernst III. von Holstein-Schaumburg wird 1619 von Kaiser Ferdinand in den Fürstenstand erhoben. Bereits seit 1607 plant der Graf eine Grablege für sich, seine Frau Hedwig und seine Eltern am Chor der St. Martini-Kirche in Stadthagen, dem Begräbnisplatz seiner Vorfahren. Der sächsische Hofarchitekt Giovanni Maria Nosseni liefert den Entwurf zu dem überkuppelten Zentralbau auf einem siebeneckigen Grundriss. In der Mitte des lichtdurchfluteten Raumes steht das Grabmonument, auf dem sich der auferstandene Christus über die schlafenden Wächter erhebt.

Darüber, in den sieben Segmenten der Kuppel, sind musizierende Engel gemalt. An seinem Hof verfügt der Graf über ausgezeichnete Künstler und Handwerker, die das Werk ausführen. Die Bauskulpturen aus Alabaster und Sandstein werden von Hans Wulff gefertigt, der mit seinen Brüdern bereits an Schloss und Stadtkirche von Bückeburg arbeitet. Die Malereien fertigt Anton Boten, der mit einem Stipendium des Grafen bei Hans Rottenhammer in Augsburg gelernt hat. Die Marmorsäulen werden aus Italien geliefert. Das Grabmal im Zentrum soll jedoch von dem damals berühmtesten Bildhauer gestaltet werden: Adrieen de Vries. In Den Haag in Holland geboren, geht Adrieen "der Friese", wie viele niederländische Künstler, nach Italien. In Florenz lernt er bei Giambologna, dem größten Bildhauer in der Nachfolge Michelangelos. Seine Skulpturen entsprechen dem Ideal der manieristischen "Figura serpentinata", Figuren, anmutig in der Bewegung festgehalten - von allen Seiten schön. Kaiser Rudolf 11. wird auf den Meisterschüler Giambolognas aufmerksam und lädt den jungen Künstler an seinen Hof nach Prag. Als kaiserlicher Hofkünstler hat Adrieen de Vries dort Haus und Werkstatt. Unter den Nachfolgern des Kaisers nimmt er auch fremde Aufträge an. Für die Stadt Augsburg und den König von Dänemark fertigt er monumentale Brunnen. Er arbeitet u.a. für den Kurfürsten von Sachsen und den Herzog von Braunschweig und zuletzt für Albrecht von Wallenstein. Seine Bronzefiguren gehören heute zu den besonderen Kostbarkeiten der internationalen Museen. Fürst Ernst nimmt 1613 ersten Kontakt zu de Vries auf. Er gibt das Taufbecken in Bückeburg in Auftrag und erwirbt die heute in Berlin und Gotha befindlichen Figurengruppen. De Vries beginnt 1617 mit der Arbeit an den Bronzefiguren der "Auferstehungsgruppe". Im Todesjahr des Fürsten 1622 sind alle 13 Plastiken und 6 Reliefs aus Prag geliefert. Bis 1627 wird das Mausoleum unter Leitung von Anton Boten vollendet. Dieses einzigartige Gesamtkunstwerk aus Architektur, Malerei und Plastik ist bis heute unverändert erhalten. Stadthagen ist der einzige Ort, an dem Werke von de Vries noch in Ihrem originalen Zusammenhang erfahrbar sind.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

www.renaissance-stadthagen.de

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